Andorra

„Du sollst dir kein Bildnis machen“- Theaterfahrt 9. Klassen nach Tübingen

Am Montag, den 27. Januar 2020 fuhren alle Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen mit den Lehrkräften Frau Hirt, Frau Tränkle, Frau Baumgartner und Herr Saruga zum Landestheater in Tübingen, um sich das Stück "Andorra", welches die Klassen im Unterricht behandelten, anzuschauen.

In dem Drama schreibt Max Frisch über einen Kleinstaat, Andorra. Dort lebt ein Junge namens Andri, der von den Andorranern als Jude gesehen wird. Alle Andorraner begegnen Andri mit entsprechenden Vorurteilen. In 12 Bildern wird Andris Ringen um Zugehörigkeit zur Gemeinschaft und um Identität beschrieben. Er wird jedoch nicht von den Andorranern aufgenommen, da er anders als alle ist. Als sein Vater Can, der Lehrer, später zugibt, die Lüge vom geretteten Judenkind nur aus Feigheit in die Welt gesetzt zu haben, weil Andri in Wirklichkeit sein Kind und das einer Frau aus dem verhassten Nachbarsvolk ist, kommt für Andri die Wahrheit zu spät. Er ist für sich und die anderen ein Jude geworden und findet am Ende einen gewaltsamen Tod.

(Wendepunkt innerhalb der Entwicklung des Protagonisten Andri)

In der Version des Landestheaters in Tübingen wurde ein Modellcharakter des Dramas aufgegriffen, wie zum Beispiel mit dem ständigen Rollenwechsel unter den Schauspielern, was sehr gelungen war. Der Rollenwechsel erfolgte durch das Umdrehen von Aufstellern, die mit den verschiedenen Rollen bedruckt waren. Dies sollte verdeutlichen, dass jeder in den Rollen stecken könnte. Außerdem wurde an das biblische Gebot, man solle sich kein Bildnis machen, angelehnt. Durch den Rollenwechsel wurde auch gut gelöst, dass nur wenige Schauspieler das Stück spielten. Alle hatten die selben Anzüge an und haben versucht alle Rollen relativ gleich und mit nicht all zu vielen Emotionen zu spielen, um zu zeigen, dass alle Andorraner gleich sind und somit fiel es den Schauspielern nach ihren Angaben nicht schwer, sich in die verschiedenen Rollen hineinzuversetzen. Nur Andri wurde durch sein Verhalten hervorgehoben, wie zum Beispiel durch seinen Aggressionsausbruch gegen Schluss. Mit diesen Ausbrüchen wollte man ebenfalls zeigen, dass er nun die Andorraner hasst und verabscheut und das Fremdbild, das ihm durch die Vorurteile vermittelt wurde, angenommen hat. Sie haben auch Symbole, die nicht im Drehbuch von Max Frisch vorkamen, eingebaut, um so etwas wie die Unschuld einer Person oder die Wahrheit besser darzustellen. Mit Liedern, der Kleidung der Schauspieler und der Aufsteller, dem Schluss und etwas Jugendsprache haben sie das Stück auf die heutige Zeit übertragen. Dies diente auch dazu, den Modellcharakter des Stückes zu verdeutlichen und es interessanter zu gestalten. Am Schluss wurden diskriminierende Begriffe aus unserer Zeit, wie "Alki", "Homo" oder "Schwarzer", aber auch „Gutmensch“ und „Kapitalist“ genannt. Damit sollte vermittelt werden, dass man auch heute Menschen ausschließt und in Schubladen steckt, und dass so etwas vermieden werden sollte. Kritisch waren wir jedoch dazu, dass die Lieder oder die Jugendsprache zwar zur Unterhaltung und Comedy dienen sollten, jedoch leicht übertrieben waren und das Stück teilweise ins Lächerliche gezogen wurde. Alles in allem war es jedoch eine sehr gelungene Darstellung des Stückes von Max Frisch.

Anna Walter, Klasse 9c

(Abschlussbild, das sich die Regisseurin erdacht hat, um das Stück ins Hier und Jetzt zu holen.)  

(Fotos: Probenfotos von Martin Sigmund, Angabe: Sigmund / LTT, Abdruck honorarfrei. Quelle: Landestheater Tübingen)

 

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